Sich selbst finden und trotzdem nie ankommen

Viele Menschen sehnen sich nach diesem Moment: endlich bei sich selbst anzukommen.
Zu wissen, wer man ist, was man will und wohin man gehört. Doch wer einmal dort war, merkt schnell: Sich selbst finden ist kein Endpunkt. Es ist ein Prozess, der nie aufhört.

Warum es gut ist, immer auf der Suche zu bleiben und wie du dich selbst (neu er-)finden kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Selbstfindung bedeutet nicht, stehenzubleiben

Sich selbst finden bedeutet nicht, eine endgültige Version von dir zu erreichen. Man kann sich selbst finden und trotzdem nie ankommen. Es bedeutet, mit dir im Kontakt zu sein. Auf deine Impulse zu hören. Neugierig zu bleiben. Dich auch auf Dinge einzulassen, die vielleicht ganz anders sind als das, was du bisher gemacht hast.

Vielleicht gehst du nach Feierabend an einer kleinen Kunstschule vorbei, siehst einen Kurs im Schaufenster und spürst: Das will ich ausprobieren.

Vielleicht stellst du nach Jahren im selben Beruf fest, wie viel Freude dir das Kochen macht und fängst an, darüber nachzudenken, ob daraus etwas Neues entstehen könnte.

Oder du sitzt morgens mit dem ersten Kaffee da und fragst dich leise: Was wollte ich eigentlich früher einmal werden? Und ist das vielleicht immer noch möglich?

Solche kleinen, leisen Veränderungen können unglaublich viel in Bewegung setzen. Es spielt keine Rolle, wie lange du schon bestimmte Wege gehst oder Rollen erfüllst. Du darfst dich jederzeit neu erfinden.

Du musst es nicht. Wenn du das Gefühl hast, bei dir angekommen zu sein, ist das wunderschön. Es gibt keine Verpflichtung zur ständigen Veränderung.

Aber selbst dann, wenn alles gerade rund läuft, darfst du neugierig bleiben. Es gibt immer noch etwas zu entdecken: neue Interessen, neue Perspektiven, vielleicht eine Weiterbildung, ein Retreat oder ein Ort, an dem du noch nie warst.

Du darfst dich weiterentwickeln, auch wenn du dich längst selbst gefunden hast.

Wie du dich im Alltag wieder spüren kannst

Sich selbst finden beginnt nicht mit einem großen Schritt, sondern mit kleinen Gesten, die du dir selbst schenkst:

Nimm dir jeden Tag 10 Minuten nur für dich.

Wenn du im Alltag kaum Zeit für dich selbst findest, kann es helfen, dir den Tag bewusst um einen kleinen Moment zu verlängern. Versuche, 10 Minuten früher aufzustehen oder 10 Minuten später ins Bett zu gehen als sonst. Diese Zeit nimmst du nur für dich, ohne Aufgaben, ohne Ziele und ohne etwas leisten zu müssen.

Mach dir beispielsweise dein Lieblingsgetränk, setz dich ans Fenster oder auf den Balkon an die frische Luft und leg dein Handy beiseite. In diesem Moment geht es nur darum, bei dir selbst zu sein und für einen kurzen Augenblick aus dem Alltag auszusteigen. Einfach nur zu sein und wahrzunehmen, wie es dir gerade geht.

Du wirst schnell merken, dass diese kurze Zeit etwas verändert. Wer morgens früher aufsteht, startet oft ruhiger in den Tag und wer abends bewusst zur Ruhe kommt, kann leichter abschalten und besser einschlafen. Diese Minuten werden dir helfen, innerlich herunterzufahren und dich wieder etwas mehr mit dir selbst zu verbinden.

Auch die Forschung zeigt, dass 10 Minuten Achtsamkeit am Tag helfen können, die psychische Gesundheit zu verbessern, Wohlbefinden zu steigern und Symptome wie Stress, Angst und Depressionen zu reduzieren.

Achte auf deine inneren Impulse

Vielleicht denkst du schon lange darüber nach, dir dieses Buch zu kaufen, und stolperst jetzt zufällig darüber. Dann kauf es dir jetzt. Vielleicht findet bei dir im Ort ein Fest statt, auf das du eigentlich Lust hättest, aber du fühlst dich nicht passend gekleidet oder unsicher. Geh trotzdem hin.

Oder du merkst, dass du gerne mal wieder Fahrrad fahren würdest, auch wenn du seit Jahren nicht mehr gefahren bist. Probier es aus. Vielleicht wolltest du diesen Film im Kino sehen, hast aber niemanden, der dich begleitet. Geh allein. Auch das kann sich gut anfühlen.

Oft sind es genau diese Dinge, die uns guttun würden und die wir uns selbst ausreden. Aus Angst, aus Unsicherheit oder aus Gedanken wie: „Ich schaffe das nicht“, „sowas kann ich doch nicht allein machen“, „was könnten die anderen über mich denken?“, oder sogar: „Das darf ich mir nicht erlauben.“

Sich selbst finden bedeutet in diesem Zusammenhang, zu lernen, Gedanken auszublenden, die aus Angst, Unsicherheit oder Gewohnheit entstehen und stattdessen auf die innere Stimme zu hören, die uns zeigt, was uns guttun würde.

Dabei geht es nicht darum, jedem spontanen Impuls oder Wunsch zu folgen, sondern darauf zu achten, was uns inspiriert und belebt. Genau diese Dinge darfst du dir erlauben, gerade in den kleinen Momenten des Alltags.

Mache deshalb jeden Tag eine kleine Sache, die du sonst zerdenken würdest. Traue dich, diese Dinge aus Selbstfürsorge zu tun. Du wirst merken, dass dein Alltag dadurch lebendiger wird und du dich selbst jeden Tag ein Stück besser kennen lernen wirst.

Wenn du merkst, dass es dir noch schwerfällt, einen Zugang zu deiner inneren Stimme zu finden, bietet dir unser Artikel „Wie du lernst, auf dein Gefühl zu hören, auch wenn es gerade schweigt“ weitere Impulse zu diesem Thema.

Sich selbst finden in kleinen Alltagsmomenten.

Sich selbst finden muss nicht Weltreise, Sabbatical oder Auszeit bedeuten. Oft liegt der Kern in den kleinen Dingen: in der Entscheidung, heute mal eine andere Strecke zur Arbeit zu nehmen. In dem Moment, in dem du endlich bewusst aussprichst: „Das will ich nicht mehr.“ Oder an dem Tag, an dem du bewusst etwas nur für dich tust.

Finde heraus, was wirklich zu dir gehört.

Indem du dich auf neue Erfahrungen einlässt, entdeckst du immer wieder neue Facetten von dir.
Manches wird dir gefallen, anderes nicht. Beides bringt dich dir selbst ein Stück näher.

Falls du dich für Themen rund um Beziehung und Familie interessierst, findest du hier eine Übersicht unserer Artikel dazu.

Und jetzt, in diesem Moment:

Nimm dir fünf Minuten Zeit. Spüre in dich hinein. Welche kleine Aufgabe wolltest du schon ewig erledigen und hast sie immer wieder verschoben? Etwas, das wenig Zeit, wenig Geld, wenig Energie kostet und trotzdem seit Ewigkeiten in deinem Kopf ist.

Mach es genau jetzt. Und spür danach, wie es ist, „Ja“ zu dir selbst zu sagen.

Warum sich selbst finden manchmal ins Stocken gerät

Selbstfindung klingt oft leichter, als sie tatsächlich ist. Sich selbst finden bedeutet, ehrlich hinzuschauen und sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die man lange vermieden hat. Und manchmal gefällt uns nicht, was wir dabei entdecken.

Es gibt einige typische Gründe, warum sich selbst finden für viele Menschen schwierig ist:

Alte Rollen und Erwartungen: Wer lange funktioniert und Erwartungen erfüllt hat, verliert oft den Kontakt zu der eigenen Haltung. Sich selbst finden wird dann schwer, weil unklar ist, wer man jenseits dieser Rollen eigentlich ist.

Angst vor dem Unbekannten: Sich selbst finden heißt auch, Neues zuzulassen. Das kann verunsichern, weil Vertrautes losgelassen werden muss und der nächste Schritt noch nicht klar erkennbar ist.

Der innere Kritiker: Eine laute innere Stimme stellt Ideen infrage und erklärt Wünsche schnell für unrealistisch oder unvernünftig. Dieser innere Kritiker überdeckt oft die leiseren, ehrlicheren Impulse.

Vergleich mit anderen: Wer sich ständig mit anderen vergleicht, verliert den Blick für den eigenen Weg. Sich selbst finden wird erschwert, wenn fremde Maßstäbe wichtiger werden als das eigene Erleben.

Sich selbst finden bedeutet deshalb, diese Hindernisse zu erkennen und sich ihnen bewusst zuzuwenden, ohne sich davon bestimmen zu lassen.

Gedankenexperiment: Dein Leben in fünf Jahren

Stell dir vor, es ist fünf Jahre später und du hast dich in dieser Zeit immer wieder ehrlich gefragt, was du brauchst und wer du sein willst.

  • Wie sieht dein Alltag aus?
  • Wo wohnst du, wie lebst du?
  • Was machst du beruflich oder kreativ?
  • Welche Menschen sind in deinem Umfeld?
  • Was hat keinen Platz mehr in deinem Leben?

Schreib die Antworten auf. Oft erkennst du darin schon heute, welche Schritte dich dorthin führen könnten.

Drei ungewohnte, aber wirksame Methoden, dich selbst neu zu entdecken

Ein „Fremdinterview“ führen

Bitte eine Person, die dich kaum kennt, dir Fragen zu stellen, die sonst niemand fragt. Die Sicht von außen kann völlig neue Gedanken öffnen.

Ein Jahr der „Ersten Male“

Setze dir das Ziel, jeden Monat etwas zu tun, das du noch nie gemacht hast, egal wie klein es ist. Vom Kochen eines neuen Gerichts bis zum Besuch eines ungewöhnlichen Ortes, alles ist erlaubt.

Der „Was-wäre-wenn“-Tag

Lebe einen Tag so, als gäbe es keine Erwartungen an dich. Trage, tue, sage, esse und erlebe, was immer dir in den Sinn kommt.

Dein 7-Tage-Plan für mehr Selbstentdeckung

  • Tag 1: Schreibe auf, was dir heute Freude gemacht hat und was nicht.
  • Tag 2: Mache etwas zum ersten Mal.
  • Tag 3: Räume einen kleinen Bereich deines Lebens auf (Schublade, Tasche, digitale Dateien).
  • Tag 4: Verbringe 30 Minuten ohne Handy, Musik, Buch oder Bildschirm. Nur du.
  • Tag 5: Suche bewusst ein Gespräch, das du sonst aufschieben würdest.
  • Tag 6: Ändere eine kleine Alltagsroutine.
  • Tag 7: Plane eine Sache für die kommende Woche, die nur für dich ist.

Warum es gut ist, immer auf der Suche zu bleiben

Wir leben in einer Welt, die oft klare Ziele vorgibt: den perfekten Job, die erfüllte Beziehung, das beste Aussehen. Schnell entsteht der Eindruck, dass wir erst dann wirklich leben, wenn wir dort angekommen sind. Doch diese Vorstellung setzt uns unter Druck und übersieht etwas Wichtiges: Das Leben verändert sich ständig. Und wir verändern uns mit.

Ankommen kann etwas sehr Schönes sein. Für einen Moment, für eine Phase oder auch für mehrere Jahre. Gleichzeitig ist es völlig normal, irgendwann wieder Sehnsucht nach Veränderung zu spüren. Gerade in der Mitte des Lebens zeigt sich dies häufig. Wenn dich interessiert, wie Männer diese Phase erleben, findest du in unserem Artikel „Männer im Umbruch“ eine vertiefende Einordnung.

Du musst dir nicht zum Ziel machen, dich ein für alle Mal zu finden. Sich selbst finden kann auch bedeuten, im Moment mit sich selbst im Reinen zu sein. Zufrieden zu sein mit dem, was gerade ist und gleichzeitig offen zu bleiben für das, was sich verändert.

Raum für deine Impulse

Manchmal fällt es leichter, die eigenen Impulse wahrzunehmen, wenn man darüber spricht. Fernab von Alltagstrubel, Erwartungen und Routinen.

In unserer psychotherapeutischen Praxis gibt es dafür Raum. Hier geht es nicht darum, dir zu sagen, was du tun oder lassen sollst. Vielmehr entsteht ein geschützter Rahmen, in dem du herausfinden kannst, welche Impulse wirklich aus deinem Inneren kommen und welche eher aus Gewohnheit, Angst oder äußerem Druck entstehen.

Gemeinsam lässt sich erkunden, wie du die Signale deines Körpers und deiner Gefühle klarer wahrnimmst, wie du zwischen echten Bedürfnissen und kurzfristigen Ablenkungen unterscheiden kannst und wie du mehr von dem in dein Leben bringst, was dich lebendig macht.

Manchmal sind es kleine Schritte und manchmal neue Blickwinkel, die helfen, deinen Alltag bewusster zu gestalten und dich selbst auf einer tieferen Ebene kennenzulernen.

Wenn du merkst, dass dir Begleitung auf deinem Weg guttut, dann trau dich, den nächsten Schritt zu gehen. Wir begleiten dich gern auf deinem Weg zu deiner ganz eigenen Weiterentwicklung.


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Egal, ob du noch auf der Suche bist, dich selbst schon gefunden hast oder dich neu erfinden möchtest: In unserer Praxis CreaLaVie begleiten wir dich in deinem persönlichen Prozess. Individuell, in deinem eigenen Tempo und orientiert an dem, was du wirklich brauchst.

Wenn du dich auf deinem Weg begleiten lassen möchtest, sind wir gern für dich da. Und wenn du mehr von unseren Gedanken, Impulsen und Texten lesen möchtest, kannst du dich hier für unseren Newsletter anmelden.

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